Mach den Test! Verbessere deine Chancen auf einen Medizin-Studienplatz

Text/Quelle: Anke Beimdiek/ STUDI-Info Wintersemester 2019/20. Foto: Modelfoto: Colourbox.de

Wer kein Traum­-Abi hat, muss nicht auto­matisch alle Hoffnungen auf einen Medizin­-Studienplatz begraben. Verschiedene Auswahltests versprechen eine zweite Chance– allen voran der Medizinertest (TMS), der in Zukunft noch wichtiger wird. Bis zu einem Abi­Schnitt von 1,8 können Bewerber auch auf den HAM­Nat setzen.

Fähigkeitstests werden von Hochschulen immer häufiger zur Auswahl von Studenten verwendet. Sie gelten als fair, objektiv und ökonomisch. Der Medizinertest (kurz TMS) ist dabei wohl die Mutter aller Studierfähigkeitstests. Er zählt nicht nur zu den härtesten Prüfungen, die man in Deutschland ablegen kann. Seitdem er seit 2007 wieder angeboten wird, hat er einen Siegeszug durch die deutsche Hochschullandschaft angetreten. Am Anfang nutzte nur eine Handvoll süddeutscher Fakultäten das Testergebnis zur Auswahl von Medizin- und Zahnmedizin-studenten. Demnächst werden es allein in der Humanmedizin27 von insgesamt 37 staatlichen Hochschulen sein. Ab dem Sommersemester 2020 wollen nämlich auch die Charité in Berlin und die Universität Münster, die bislang auf eigene und zum Teil aufwendige Auswahlverfahren gesetzt haben, zum Medizinertest wechseln.

Jeder hat nur einen Versuch Der Test ist zwar freiwillig. Wer es aber nicht mit seiner Abi-Note schafft, einen Studienplatz in Medizin zu bekommen, der kommt heute fast nicht mehr um ihn herum. Die gute Nachricht: Durchfallen kann man nicht. Die schlechte: Jeder Teilnehmer hat nur einen Versuch, und wenn der misslingt, sinken die Chancen auf einen der begehrten Studienplätze dramatisch. Das Testergebnis wird mit den Resultaten der anderen Prüflinge verglichen. Eine relative Prozentnote sagt dann aus, wie gut jemand im Vergleich zu den übrigen Teilnehmern abgeschnitten hat.

Aufgaben sind anspruchsvoll, aber trainierbar
Insgesamt setzt sich der Test aus neun verschiedenen Aufgabentypen zusammen – dazu gehören unter anderem Musterzuordnen, medizinisch-naturwissenschaftliches Grundverständnis, quantitative und formale Probleme und Textverständnis. „Im TMS werden vorwiegend kognitive Kompetenzen getestet sowie die Fähigkeit, unter Stressbedingungen zu arbeiten und sich zu konzentrieren“, sagt Studienberaterin Dr. Mari-anne Kunisch. Die Teilnehmer sollen beweisen, dass sie das anstrengende Medizinstudium absolvieren können und später als Arzt in Drucksituationen einen kühlen Kopf bewahren. „Fünf der neun Unteraufgaben im TMS sind sehr gut trainierbar“, sagt die Studienberaterin. Eine gründliche Vorbereitung ist unverzichtbar. „Man sollte sich dafür mindestens fünf Wochen bis anderthalb Monate Zeit nehmen“, rät sie. Einstellen sollten sich die Teilnehmer nicht nur auf die ganz unterschiedlichen Aufgabentypen, sondern auch auf Zeitdruck und einen insgesamt extrem anstrengenden Testtag.

Abi und TMS: Lieber nicht gleichzeitig?
Was die Sache nicht einfacher macht: Der Medizinertest wird meist Anfang Mai durchgeführt, wenn viele Schüler mitten in den Abi-Prüfungen stecken. Während die Testentwickler von ITB Consulting aus Bonn kein Problem darin sehen, beides parallel zu meistern, raten viele Studienberater von der Doppelbelastung ab. Wer absehen kann, dass es mit der Studienplatz-bewerbung eng wird, der sollte besser beides nacheinander angehen: zuerst das Abi und im Jahr darauf den Medizinertest.

Gute Chancen durch HAM­-Nat
Bewerbern bis zu einer Abiturnote von etwa 1,8 bietet der HAM-Nat ( Hamburger Naturwissenschaftstest  ) eine echte Chance auf einen Medizinstudienplatz in Hamburg, Magdeburg oder Berlin. Zu diesem Test kann man sich allerdings nicht direkt anmelden, die Hochschulen laden die Teilnehmer ein. Dazu müssen die Bewerber bei Hochschulstart.de die Berliner Charité, die Uni Hamburg oder die Uni Magdeburg als erste Ortspräferenz in der Quote „Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH)“ angeben. Die Charité lädt in diesem Jahr allerdings zum letzten Mal zum HAM-Nat ein, ab 2020zählt der TMS. Darüber, wer den Test machen darf, entscheidet der Abi-Schnitt. Die besten Bewerber, die es nicht direkt geschafft haben, bekommen beim HAM-Nat eine zweite Chance. Die Einladung zu dem Test landet meist erst wenige Tage vorher im Brief-kasten. Trotzdem kann sich jeder seine Chancen relativ gut ausrechnen. Von den Bewerbern für einen Medizinstudienplatz wurden in den vergangenen Jahren fast immer Abiturienten mit einem Schnitt bis1,8 zu der Auswahlprüfung zugelassen. Die Abi-Note kombinieren die drei Hochschulen in ihren Auswahlverfahren dann mit dem Ergebnis im HAM-Nat.

Periodensystem kennen
Der HAM-Nat ist sehr anspruchsvoll“, sagt Dr. Kunisch. Es dürfen keine Hilfsmittel verwendet werden. Taschenrechner, Formelsammlungen oder das Periodensystem aller chemischen Elemente sind nicht erlaubt. Dabei wären diese Utensilien wirklich hilfreich, da es sich um einen reinen Naturwissenschaftstesthandelt. „Der Schwerpunkt liegt auf Physik und Chemie“, sagt Dr. Kunisch. Diese Fächer werden zum großen Teil auf Leistungskurs-Niveau geprüft. „Wichtige Formeln aus der Physik und die Hauptgruppenelemente aus dem Periodensystemsollte man im Kopf haben – das macht den Test sehr schwer“, sagt die Studienberaterin. Im Vorteil ist, wer die Mathematikaus der Mittelstufe sicher beherrscht –gutes Kopfrechnen inklusive. Wer in der Schule keine Lust auf die naturwissenschaftlichen Fächer hatte, der wird sich für den HAM-Nat wohl noch einmal auf den Hosenboden setzen müssen. Auch diesen Studierfähigkeitstest sollten Bewerber nicht auf die leichte Schulter nehmen.

 

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