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E-Sports: Eine Branche auf dem Vormarsch

Text/Quelle: Kristina Sehr/ Westfälische Nachrichten (WN) vom 5. Juli 2019. Grafik: Colourbox.de

Der Trend „E-Sports“ greift um sich, immer mehr (junge) Menschen treten in Videospielen gegeneinander an. Auch in Deutschland wächst die Zahl der Anhänger.

25. August 2018: 20 000 Augenpaare richten sich auf die Spieler inmitten der Arena. Doch das hier ist kein Fußballstadion. Dort unten, im Zentrum des Geschehens, zocken junge Menschen an der Spielekonsole. Sie spielen „Dota II“, ein elektronisches Fantasy-Spiel. Mittels einer Live-Übertragung verfolgen 15 Millionen Zuschauer rund um den Globus das Turnier. Hier geht es nicht etwa um Ruhm und Ehre. Es winken Preisgelder von rund 25 Millionen Dollar.

Das, was hier passiert, ist kein einzigartiges Phänomen, sondern vielmehr das Symptom einer weltweiten Bewegung. Der Trend „E-Sports“ (elektronischer Sport) greift um sich, immer mehr Menschen treten in Videospielen gegeneinander an. In puncto Popularität können diese Turniere den konventionellen Sportarten längst das Wasser reichen. Ein Ende des Trends ist nicht in Sicht. Auch nicht im Münsterland.

Basketball an der Konsole
Einer, der darüber bestens Bescheid weiß, ist Jannis Neumann. Der Borkener ist erst 23 Jahre alt, doch er weist schon jetzt eine beachtliche Karriere als E-Sportler vor. Sein Metier ist das Basketballspiel an der Konsole: In der virtuellen Liga „NBA 2K“ verdingt er sich als professioneller Spieler. Und zwar so gut, dass sein Talent auch von den amerikanischen Basketballvereinen erkannt wurde: In den USA ist die E-Sports-Szene bereits größer als hierzulande, regelmäßig werden Nachwuchsspieler gesucht. Im vergangenen Jahr war Neumann daher in Texas und spielte für die E-Sports-Abteilung der Dallas Mavericks – des Vereins, dem auch der deutsche Basketballer Dirk Nowitzki über 20 Jahre lang die Treue hielt.

E-Sportler sind in den USA bereits eine feste Größe
Unter 70 000 Bewerbern setzte Neumann sich durch, wurde Teil des vereinseigenen E-Sports-Teams und lernte den Alltag eines Profi-Zockers kennen: mentales Coaching, Atemübungen, Fitnessprogramm, feste Trainingszeiten. Was klingt wie die Wochenplanung eines Bundesliga-Fußballers, ist auch für die Großen im E-Sports Realität.

Während der fünf Monate in Dallas verdiente Neumann rund 30 000 Euro. In den USA könne man von dem Beruf generell gut leben, sagt er. „Aber in Deutschland hängen wir noch ein Stück hinterher.“ Aktuell ist der junge Borkener bei der E-Abteilung von Bayern München unter Vertrag. Für Dallas hat es in dieser Saison nicht gereicht. Er hofft jedoch darauf, in Zukunft erneut für amerikanische Vereine zu spielen. Denn in Deutschland steckt die Szene noch in den Kinderschuhen, während sie in den Staaten längst große Arenen füllt.

E-Sports-Liga im Münsterland in Gründung
Das hat auch Lars Koschin erkannt. Er lebt in Rheine, trainiert eine Fußball-Jugendmannschaft und arbeitet gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Ralf Klöppel an der Gründung einer regionalen E-Sports-Liga. Das Konzept ist schnell erklärt: Vereine, Teams, Cliquen und Einzelpersonen können sich registrieren und gegeneinander antreten. Die Struktur gleicht der einer realen Kreisliga. Auf diese Weise will Koschin Struktur in eine Szene bringen, die aktuell noch zerfasert ist. „Es gibt etliche Ligen, die parallel existieren“, sagt er. „Was fehlt, sind verschiedene Ebenen und ein standardisiertes Regelwerk. Stellen Sie sich das so vor: Im Fußball hat sich die Ligenstruktur einst von unten nach oben entwickelt. Aber im E-Sports gibt es quasi nur die Bundesliga.“ Indem er eine regionale Spielklasse ins Leben ruft, möchte er mehr Spielern die Möglichkeit eines Zusammenschlusses bieten.

Schon in einigen Monaten wollen Klöppel und Koschin das neue Portal auf die Straße bringen. Und auch für lokale Sportvereine soll die Möglichkeit geboten werden, eigene E-Sports-Abteilungen aufzubauen.

Doch bis es so weit ist, gilt es zunächst, Stolpersteine zu überwinden. „Wir müssen ja erst mal lernen, wie wir mit Behörden, Politik und Sponsoren zusammenarbeiten können“, sagt Koschin. Eben all das, was konventionelle Fußballigen schon seit Jahrzehnten tun.

Ist E-Sport ein Sport?
Zunächst hat Koschin jedoch noch einige Hindernisse vor der Brust. Das wohl größte: die Debatte um den Status des E-Sports. Denn darüber, ob das Zocken an der Konsole ein Sport ist oder nicht, wird rege diskutiert. Und diese Frage ist für die Szene von großer Bedeutung. „Viele Sportvereine, die sich eigentlich in diesem Bereich engagieren möchten, haben Angst, ihren gemeinnützigen Status zu verlieren, solange E-Sports noch nicht als Sport anerkannt wird“, sagt Koschin.

E-Sport fordert hohe psychische Leistung
Dass die Wettkämpfe an PC und Playstation aber durchaus Parallelen zu konventionellen Sportarten aufweisen, bestätigt auch Neumann. „Zum einen ist es extrem wichtig, im Team zu agieren und schnell zu reagieren“, sagt er. Zum anderen sei im realen Sport zwar die körperliche Belastung höher – im E-Sports komme es dafür aber vermehrt auf psychische Leistungen an.

Dennoch sei die Ernsthaftigkeit in der Wahrnehmung aktuell noch nicht da, betont Koschin. Und das, obwohl es allein im Kreis Steinfurt rund 50 000 aktive E-Sportler gebe. „Auch in der virtuellen Welt gibt es Mannschaften, Trainer, Taktiken, ausgefeilte Spielzüge.“ Die Schnittmengen mit konventionellen Sportarten seien groß. Trotzdem ist der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) bislang der Ansicht, E-Sports sei kein echter Sport. Man erkenne „die Bedeutung von E-Gaming als Teil einer modernen Jugend- und Alltagskultur an, nicht jedoch als eine eigenständige sportliche Aktivität“, heißt es dort.

Der weltweite Trend widerspricht dieser Ansicht allerdings: Das Phänomen E-Sports scheint kaum aufzuhalten. Und wenn man den Prognosen glaubt, wird es auch in den kommenden Jahren einen steilen Anstieg in Sachen Zuschauerzahlen und Preisgelder geben, berichtet Koschin. Dennoch müsse sich die öffentliche Wahrnehmung ändern, damit passende Rahmenbedingungen gegeben seien. „Die Frage ist nur“, sagt er, „wann die Starrköpfigkeit der großen Verbände endet.“

Auch Neumann ist sicher, dass die Trendwelle weiterhin anhält. Er sieht sogar die Möglichkeit, dass E-Sports eines Tages olympisch wird. „Es gibt schon jetzt viele Menschen, die sagen: In zehn Jahren wird ein E-Sportler mehr verdienen als LeBron James.“

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