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Entzaubert: Als Tierarzt zu arbeiten ist oft ein Knochenjob

Text/Quelle: Anke Beimdiek/ STUDI-Info Wintersemester 2019/20. Foto Dr. Wolters: privat. Foto Teaser: Modelfoto: Colourbox.de

Viele Tierärzte klagen über hohe Arbeitsbelastung und geringe Verdienste. Dr. Leonie Wolters vom Bund angestellter Tierärzte (BaT) erzählt im Gespräch mit Redakteurin Anke Beimdiek von ihren Erfahrungen.

STUDI-Info: Arbeiten Sie in einer Tierarzt-Praxis?

Dr. Leonie Wolters: Ich arbeite mittlerweile nicht mehr in der Praxis. Ich war nach dem Studium und der Dissertation zunächst in einer Kleintierklinik und danach in einer Kleintierpraxis als angestellte Tierärztin tätig. Nun bin ich seit etwas mehr als zwei Jahren in der Industrie, genauer gesagt in der Futtermittelindustrie gelandet. Meinen Traumberuf als praktische Tierärztin habe ich zunächst auf Eis gelegt, weil es sehr schwer ist, eine Anstellung zu finden, die einem ein finanziell gesichertes Leben und genügend Freizeit ermöglicht.

Die harte Arbeit in einer Tierarztpraxis
wird oft romantisiert. Dr. Leonie Wolters hat sich
für eine Anstellung in der Futtermittelindustrie
entschieden.

 

STUDI-Info: Haben Tiermediziner gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt?

Wolters: Tatsächlich gibt es genug Stellenanzeigen, und einen Job bekommt man eigentlich immer. In der Praxis momentan sehr gut, da hier langsam ein Umdenken stattfindet und Berufsanfänger nicht jeden Job mehr unhinterfragt annehmen. Aber wenn man eine gute Stelle möchte, wo man fair entlohnt und generell ein gutes Arbeitsklima hat, dann muss man schon etwas länger suchen. Und vor allem muss man bereit sein, die Uni-Städte zu verlassen und eher ländlicheRegionen bevorzugen.

STUDI-Info: In welchen Bereichen außer der Tierarzt-Praxis können junge Tiermediziner einen Job finden?

Wolters: Es gibt tatsächlich einige Alternativen zur kurativen Praxis. Neben der Industrie (Pharma- oder Futtermittelindustrie) kannman bei Tierversicherungen, auf dem Amt (Fleischbeschau, Tierschutz) oder in der Forschung unterkommen.

STUDI-Info:Wie sieht es dort mit Verdienst und Karrieremöglichkeiten aus?

Wolters: Sobald man außerhalb der Praxis was findet, sind die Verdienstmöglichkeiten deutlich besser und vor allem einem fünfeinhalb Jahre langen Studium angemessen. Karrierechancen sind unterschiedlich, aber meist auch sehr gut möglich.

STUDI-Info: Was gefällt Ihnen besonders an Ihrem Beruf?

Wolters: In meiner jetzigen Stelle liebe ich es, meine Arbeitszeit flexibel zu gestalten, meine Kollegen sind einfach großartig, und die Work-Life-Balance ist gut. In der Praxis fand ich es toll, mein medizinisches Wissen anwenden zu können, um Tieren zu helfen.

STUDI-Info: Würden Sie wieder Tiermedizin studieren?

Wolters: Eine knifflige Frage. Oft beantworte ich sie mit „Nein, ich hätte besser Humanmedizin studiert“. Aber dann hätte ich nicht das Wissen, das ich jetzt besitze und würde all die tollen Menschen, die ich während des Studiums, der Arbeit und meiner Vereinsarbeit kennengelernt habe, nicht kennen. Also bereue ich diesen Schritt nicht. Und das Studium fand ich meistens spannend und es war für mich eine der schönsten Zeiten meines Lebens.

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