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Medizin: Neue Vergabe bis Ende 2019

Mehr Chancengleichheit bei den Zugangsbedingungen für das Medizinstudium soll eine Korrektur der bisherigen Vergabebestimmungen bringen.

Text/Quelle: Anke Beimdiek/STUDI-Info WS 2018/19,
Foto: Modelfoto: Colourbox.de.

Das Bundesverfassungsgericht hat vor wenigen Monaten die Zulassung zum Medizinstudium unter die Lupe genommen. Ergebnis: Die bisherige Vergabe der Studienplätze ist ungerecht und soll anders werden.

Spätestens Ende 2019 muss eine neue Zulassung her, so das Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Bis einschließlich zum Wintersemester 2019/20 bleibt das aktuelle Verfahren aber in Kraft.

Problematische Ortswahl
Am Vergabeschema für die Studienplätze wird sich wahrscheinlich grundsätzlich nichts ändern: Es bleibt beim 20-20-60- Schlüssel. Verschiedene Aspekte an dem Auswahlverfahren fanden die Richter aber ungerecht. Dass es 20 Prozent der Medizinstudenten direkt über die Abiturnote schaffen, ist in Ordnung. Die Abiturnote besitze „eine hohe Aussagekraft für die Prognose des Studienerfolgs im Medizinstudium“, betonten die Richter.

Problematisch sei jedoch, dass Top-Abiturienten ihre Erfolgschancen durch eine ungünstige Ortswahl schmälern. Bislang konnte es passieren, dass ein Bewerber mit 1,0-Abischnitt leer ausging, während ein anderer mit 1,2 zugelassen wurde. Das liegt daran, dass bei der Platzvergabe über die Abiturbestenquote zunächst berücksichtigt wird, wo sich die Bewerber einschreiben wollen, und dann erst, wie gut sie sind.
In ihren eigenen Auswahlverfahren wiederum sortieren manche Hochschulen vorab alle Bewerber aus, die sie bei der Ortspräferenz nicht auf Platz eins oder zumindest auf einen vorderen Platz gesetzt hatten.

Lange Wartezeiten sind „dysfunktional“
Die Wartezeit soll nicht unendlich ansteigen können, sondern durch einen Maximalwert begrenzt werden, denn: Endloses Warten verschlechtert die Chancen, später erfolgreich zu studieren, sagen die Verfassungsrichter. Sie fordern eine angemessene Begrenzung durch den Gesetzgeber – alles ab vier Jahren halten sie für „dysfunktional“. Gleichzeitig soll aber auch der Anteil der Studierenden, die über die Wartezeitquote ins Studium rutschen, nicht erhöht werden. Für Abiturienten mit schlechtem Schnitt könnte das bedeuten, dass sie ihren Traum vom Medizinstudium aufgeben müssen.

Auswahlverfahren sollen einheitlicher werden
60 Prozent der Studienplätze werden derzeit im Auswahlverfahren der Hochschulen vergeben. 35 Hochschulen nehmen daran teil und wählen ihre Studenten nach unterschiedlichen Kriterien aus. Den Überblick zu behalten, ist dabei nicht leicht. Nur wenige Hochschulen werten allein die Abi-Note, manchmal wird sie mit dem Ergebnis des Medizinertests oder anderen Studierfähigkeitstests gekoppelt. Mehrere Hochschulen führen Bewerbungsgespräche oder vergeben Pluspunkte für soziales Engagement oder für die erfolgreiche Teilnahme an Wettbewerben wie  „Jugend forscht“. Auch gute Noten in bestimmten Schulfächern oder eine abgeschlossene Ausbildung in einem medizinnahen Beruf fließen an einigen Unis in das Vergabeverfahren ein.

Die Richter fordern nun, dass die Abiturnote nicht mehr das einzige Kriterium sein dürfe, es müsse mindestens ein weiteres herangezogen werden. Zur Wahrung der Chancengleichheit müssen zudem Eignungsgespräche an Universitäten künftig bundesweit in „standardisierter und strukturierter Form“ stattfinden. Auch im Auswahlverfahren der Hochschulen soll das Gewicht der Ortspräferenz verringert werden.

 

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