Das duale Studium beim Zoll ist wie ein kleines Jura-Studium

  1. Quelle / Text: STUDI-Info, Magazin für Studienplatzbewerbung und Studienstart, WS 2016/17 / Dorothee Harbers

Foto: Modelfoto: Colourbox

Was macht eigentlich der Zoll? Das klassische und wohl auch bekannteste Einsatzgebiet ist die Zollabfertigung an Grenzen, Zollämtern und Flughäfen. Das ist aber nicht alles: Der Zoll ist auch die Einnahme- und Wirtschaftsverwaltung des Bundes. „Beispielsweise sorgt er für die Einnahme der Biersteuer“, erläutert Linda Kosmalla von der Generalzolldirektion in Bonn. Außerdem bekämpft er die Schwarzarbeit, sorgt für die Einhaltungdes Mindestlohns, geht gegen organisierte Kriminalität vor, steht für Arten-, Umwelt- und Verbraucherschutz und vieles mehr.

„Damit hat man als Beamter im gehobenen Zolldienst verschiedene Berufsmöglichkeiten in nur einem Beruf vereint“, erklärt die für Öffentlichkeitsarbeit zuständige Mitarbeiterin. Das klingt spannend und anspruchsvoll. Und die Ausbildung zum Beamten im gehobenen Zolldienst ist es auch. Du absolvierst ein dreijähriges duales Studium, das zu gleichen Teilen aus Studium und Praxisphasen besteht. „Diese Abschnitte finden immer im Wechsel statt, sodass es nie langweilig wird. Außerdem kann man so das in der Theorie Erlernte direkt in die Praxis umsetzen“, erläutert Linda Kosmalla. Das Studium findet in Münster statt. „Dort gibt es einen eigenen Campus mit Lehrsälen, Mensa und Unterkunftsmöglichkeiten für die Studis, an dem Menschen aus ganz Deutschland Zoll studieren. Außerdem hat der Campus eine Sporthalle, eine Kegelbahn, einen Tennisplatz, einen Grillplatz, . . . ein perfekter Ort zum Studieren“, schildert sie die tollen Studienbedingungen.

Die Praxisphasen finden im Bezirk eines der 42 Ausbildungshauptzollämter statt. Schon bei der Bewerbung gibst du an, bei welchem Hauptzollamt du gerne arbeiten möchtest. Dort lernst du die verschiedenen Zolldienststellen und Aufgaben vor Ort kennen. „So kann man nach Abschluss des Studiums auch ganz gut entscheiden, in welchem Bereich man am liebsten eingesetzt werden möchte“, sagt Linda Kosmalla.

Das Studium vermittelt alle wichtigen theoretischen Grundlagen: Staatsrecht und Staatspolitik, Recht, Volks- und Finanzwirtschaft, aber auch Betriebs- und Sozialwissenschaft stehen auf dem Stundenplan. Im Hauptstudium liegen die Schwerpunkte auf den Spezialgebieten wie dem sogenannten Allgemeinen Steuerrecht oder dem Verbrauchssteuerrecht. „Man könnte das Studium beim Zoll auch als kleines Jura-Studium‘ bezeichnen“, erläutert die Mitarbeiterin des Zolls. Nach Studienabschluss hast du die nötigen Qualifikationen, um in allen Bereichen der Zollverwaltung arbeiten zu können.

Dual studieren beim Zoll

Das duale Studium beginnt am 1. August eines jeden Jahres. Bis Ende September ist eine Bewerbung für den Studienbeginn 1. August 2017 möglich.

Weitere Infos gibt es auf der Homepage des Zolls: www.zoll.de/DE/Der-Zoll/Beruf-und-Karriere/Ausbildung/Zollausbildung/Gehobener-Dienst/gehobener-dienst_node.html

Wer die Prüfung bestanden hat, darf sich Diplom-Finanzwirt nennen und hat einen garantierten Arbeitsplatz. Bereits während des Studiums bist du Beamter auf Widerruf, nach drei Jahren Bewährung im Berufsalltag schon Beamter auf Lebenszeit. „Das ist aber nicht alles. Schon während des Studiums gibt es ein Ausbildungsgehalt von über 1000 Euro im Monat“, erklärt Linda Kosmalla: „Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist der Zollverwaltung sehr wichtig. Durch verschiedenste Arbeitsmodelle wie beispielsweise Telearbeit, Teilzeit oder Elternzeit wird man durch den Arbeitgeber unterstützt.“

Interview

»Es ist machbar«

Yusuf Günay, 22 Jahre, absolviert ein duales Studium zum Beamten im gehobenen Zolldienst. STUDI-Info-Mitarbeiterin Dorothee Harbers berichtete er von seinen Erfahrungen.

STUDI-Info: Hat das Studium deine Erwartungen erfüllt?

Yusuf Günay: Bezüglich der Studienabschnitte hatte ich einerseits die Erwartung, gut unterstützt zu werden, andererseits auf die Praxis vorbereitet zu werden. Besonders wichtig für mich war: Bereits in der Praxisphase wollte ich den Bereich beim Zoll finden, der mir besonders viel Spaßmacht und mich am meisten anspricht, um entscheiden zu können, in welchem Bereich ich nach dem dualen Studium arbeiten möchte. Meine Erwartungen haben sich auf jeden Fall erfüllt. Womit ich allerdings nicht gerechnet hätte: Viele Vorlesungen in BWL! Ich war mir zwar am Anfang darüber im Klaren gewesen, dass BWL auch Bestandteil des Studiums sein würde, aber in der Menge hätte ich es nie erwartet.

STUDI-Info: Was hat dir besonders viel Spaß gemacht?

Günay: Besonders die Praxisphasen, die sich an die Studienabschnitte anschließen, sind toll. Gerne erinnere ich an meine Praxiszeit bei der Finanzkontrolle Schwarzarbeit. Ich durfte bei Kontrollen die Kollegen vor Ort mit unterstützen und Arbeitnehmer kontrollieren.

STUDI-Info: Welche Tipps gibst du denen mit, die sich auch beim Zoll bewerben möchten?

Günay: Informiere dich über die Aufgaben der Zollverwaltung. Man sollte zudem kommunikativ, offen und vor allem im Team arbeiten können. Das duale Studium ist zwar anspruchsvoll und erfordert daher von jedem Disziplin und Eigeninitiative. Aber es ist alles machbar. Bestehst du dann am Ende die Laufbahnprüfung, dann erwartet dich ein vielfältiger, abwechslungsreicher und krisensicherer Job.

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